Wälder fangen nicht an und hören nicht auf. Wenn im Wald etwas stirbt, macht es Platz für etwas anderes. 60 Douglasien, streng im Raster gesetzt sind daher genau genommen kein Wald, sondern der Versuch, eine Fläche zu begrünen und keine Arbeit damit zu haben. Zu unserem Garten am Momering gehört ein Stück Hanglage mit einem ungefähr 30 Jahre alten Douglasienbestand, die an diesem Wochenende gefällt wurden. Baumfäller sagen »gelegt«, was dem erstaunlich langsamen Umfallen auch näher kommt. Das Stück Boden unter den Douglasien ist zwar keine ganz einfache trockene Hanglage, aber dafür eines mit einer umwerfenden Aussicht auf den Rhein über alle Häuser hinweg. Dieser kleine Baumbestand hört nun auf, aber dafür macht er Platz für eine hoffentlich deutlich artenreichere Staudenflur. Mein herzlicher Dank gilt meinem Bruder und meinem Onkel, die sich den Stämmen mit Kettensägen genähert haben.

Ich hatte meine Zweifel, ob man aus dem kargen Boden überhaupt etwas Gartenähnliches machen kann. Ein paar Zentimenter trockener Nadeln lagen auf dem Schieferschutt, dazwischen mal eine tapfere kleine Mahonie, sonst wuchs hier nichts. Im Frühjahr habe ich rund um die Grundstücksgrenze die hängenden Zweige der Douglasien abgeschnitten, so hoch wie ich konnte. Durch den leicht gehobenen Mantel fiel schon deutlich mehr Licht auf den Boden und wie durch Zauberhand tauchten überall Brombeeren, Hartriegel und sogar Löwenzahn auf. Es gibt also Hoffnung, dass hier Pflanzen wachsen können.

Zwischen den Douglasien stand eine tapfere junge Eiche, die offenbar niemand gepflanzt hat. Als hier gekeimter Baum hat sie sicher gute Chancen, alt zu werden, da die Wurzeln keinen Umzug mitmachen mussten. Über kurz oder lang hätte sie sicher über die viel größeren Douglasien die Oberhand gewonnen, jetzt war sie allerdings noch zu klein und mogelte sich so durch bis zum Licht. Diese Eiche sollte bleiben und das Baumfällen überstehen, was nicht ganz einfach war. Das Grundstück war komplett mit Bäumen bestanden, die ja irgendwo hin fallen – obacht: gelegt werden müssen. So kam es, dass die Eiche den ganzen Tag wie im Bombenhagel immer nur knapp von stürzenden Baumwipfeln verfehlt wurde. Erst die drittletzte Douglasie fiel nur minimal weiter als geplant und verpasste dem jungen Baum eine kräftige Kopfnuss. Die oberen zwei Meter brachen ab, aber sie überlebte. Im nächsten Frühjahr kann sie das ganze Licht für sich nutzen und die verlorenen Äste schnell ersetzen. Und in ein paar Jahren wird sie hoffentlich etwas Schatten bringen, wenn die Sommer mal heißer werden. Dann wird man nur noch eine kleine Verwachsung am Stamm erkennen können und die Krone nimmt Fahrt auf nach oben.

Ebenfalls stehen bleiben durften zwei Felsenkirschen, eine Walnuss, eine Esskastanie, eine Kirsche und zwei Eiben. Mit dem neuen Lichteinfall wird es allerdings eine etwas längere Aufgabe werden, die Brombeeren in Schach zu halten, die jetzt schon überall Ansprüche anmelden.

Die Stämme bleiben übrigens auf dem Grundstück und dürfen langsam verrotten. Die karge Hanglage hat nun jede Menge Totholz zu bieten, ab dem sich Pilze und Insekten austoben dürfen. Und ich bin sehr gespannt, wie der nächste Frühling hier oben aussehen wird. Meine Liste der Pflanzen, die mit kalkhaltigen trockenen Hängen gut zurecht kommen, ist schon erstaunlich lang. Ich hoffe, dass sie auch keimwillig sind und sich hier etablieren.

 

 

Douglasien fällen, ohne die Eiche zu treffen ist nicht ganz einfach.

Der karge Boden bekommt nach vielen Jahren wieder Licht und Luft.

Die Aussicht über alle Häuser hinweg auf den Rhein. Wunderbar.