Der Tag der offenen Gartenpforte ist eine sehr charmante Idee, um private Gärten besichtigen zu können und mit anderen Gärtnern über Schnecken und Zwiebeln zu plaudern. Der Garten am Strom in Bacharach hat seine Pforten geöffnet und wir haben einen kleinen Rundgang mit der Gärtnerin Silvia Dechent gemacht. Die Nähe zum Rhein hat den Vorteil, dass immer genug Wasser zur Verfügung steht. Durch den Garten läuft ein kleines Bächlein, das Blutweiderich wachsen lässt und Fröschen und Schlangen ein Zuhause ist. Der Nachteil der Nähe zum Rhein ist das regelmäßig wiederkommende Hochwasser, wie Silvia sagt. Mit jedem Hochwasser wird meist ein großer Teil des Humus weggeschwemmt. Obstbäume, die anwachsen sollen, geraten nach mehreren Tagen unter Wasser in Stress und brauchen dann eine Weile, um sich zu erholen. Das sind knifflige Voraussetzungen, um einen Garten zu machen, die Silvia aber mit einem Lächeln und einem Verweis auf üppige Bäume und Beete quittiert.

Der Garten ist ein schmales Grundstück parallel zum Rhein, umgeben von Uferböschungen und anderen Gärten. Silvia hat diesen Garten 1996 übernommen und aus einer Brombeersteppe einen saftigen und brummenden Garten geschaffen. Sie pflanzt Gemüse und Zierpflanzen wild durcheinander, was den charmanten, überbordenden Bauerngarteneffekt bringt. Wegen des Hochwassers stehen manche Gemüsekulturen in Badewannen, das hält auch praktischerweise die Schnecken draußen. Zahlreiche Obstbäume werden durch geschickten Schnitt in handlichen Größen gehalten. Das reduziert zwar den Ertrag ein wenig, dafür kommt man überall gut ran. Ackerschachtelhalm wagt sich hier und da durch den Lavendel, was manche Gärtner zu den Waffen rufen würde.  Silvia lässt das entspannt. Sie zupft die Triebe hin und wieder ab und macht daraus eine Pflanzenjauche, die gegen Pilzerkrankungen wie Mehltau wirkt. Zwischen den Beerensträuchern steht ein Wermut. Beide stärken sich gegenseitig im Wachstum und der Wermut hält den Beerenrost weg. Silvia arbeitet mit den Pflanzen und nicht gegen sie. Die leuchtenden Johannisbeeren geben ihr mehr als Recht.

Silvia ist ein Freund davon, dass Pflanzen sich ihren Weg suchen dürfen. Amaranth samt sich selbst aus und wandert durch die Beete, ebenso die Ringelblumen und viele Kräuter. Eine entspannte und sympathische Grundhaltung, die nebenher auch noch gut für den Boden ist. Ein schwarzer Holunder in einer dunkellaubigen Sorte, ähnlich unserem »Black Lace«, jedoch mit rundlicheren Blättern ist hier als ausgewachsenes Exemplar zu bewundern, ebenso ein lokaler Pfirsich der Sorte »Graue Maus«. Die halbreifen Früchte sehen wirklich aus wie graue Mäuse an den Ästen, haben sogar ein blutrotes Fruchtfleisch, sollen aber um Längen besser schmecken als Nager.

Ein sympathischer Garten mit bumsgesunden Pflanzen und sehr vielen Insekten. Ein echter Lichtblick und eine schöne Perspektive, wenn ich an unseren derzeit doch recht kargen Garten denke.

Palmkohl wirkt auch zwischen Zierpflanzen sehr elegant. Und schmeckt.

Amaranth darf sich aussäen, wo er will und belohnt mit einem leuchtenden Blutrot.

Die Gemüsebadewannen halten den Humus zusammen bei Hochwasser und die Schnecken draußen. Clevere Lösung.

Die Gärtnerin

Ringelblumen hinter einem Minizaun aus Schnittholz.

Dralle Ernte ganz ohne Chemie.

Lilien in Bestform.

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