Nach einem guten Jahr der Hausbesichtigungen und skurrilen Gesprächen mit Maklern, die Gründe suchen, warum in einem ganz bestimmten Kellerraum gerade kein Licht geht, haben wir eine Entscheidung getroffen und tatsächlich ein Haus gekauft. Wir sind am Rhein fündig geworden, genauer in Oberwesel am Rheinkilometer 550. Eine wichtige Bedingung für unser Haus war ein Garten mit einer gewissen Größe. Wir haben jetzt knapp 1000 qm in Hanglage zur Verfügung und sind darüber sehr glücklich.

Das Grundstück

Oberwesel liegt im Mittelrheintal am Rhein, wo Platz bekanntlich knapp ist und alle Orte mehr oder weniger direkt auf Schieferfelsen stehen. In Oberwesel teilt sich ein kleines Seitental ab, die Engehöll, das zum Hunsrück führt.  Zwischen dem Rhein und dem Seitental ist eine kleine Erhebung, die im Ort beginnt und langsam an Höhe gewinnt. Geht man diese Erhebung bis zum Gipfel, steht man direkt vor Schönburg und hat eine fantastische Aussicht über das Rheintal. Die Rheinländer haben offenbar Lust daran gefunden, Dinge zu benennen, also hat diese Erhebung nicht nur einen Namen, sondern gleich zwei. Der Teil nahe der Burg heißt Elfenley, der Teil zum Ort hin heißt Momering. Die Grenze bildet ein Trafohäuschen aus dem 19. Jahrhundert auf dem Felsrücken. Unser Garten grenzt oben direkt an dieses Trafohäuschen an. Ein Wanderweg, der hoch zur Schönburg führt, geht direkt an unserem Garten entlang. Ein Hallo-Garten also. Kaum fängt man mit einer Arbeit an, kommt von hinten ein Hallo! und meistens noch ein kurzer Plausch über die Feigen und die Steine und die Trockenheit.

Bestandsaufnahme

Der Burgweg ist vom Garten durch eine Bruchsteinmauer getrennt. Der Garten liegt etwa zwei Meter höher als der Weg.

Der Boden, den wir gekauft haben, ist ein Stück geliebte Erde. Unsere Vorbesitzer haben diesen Garten über Jahrzehnte gepflegt und zum Blühen gebracht. Immer wieder bleiben Passanten am Zaun stehen und teilen ihre Erinnerung an den Feigenbaum, an die Kirschen oder an die Erdbeeren, die dieser Garten schon gezaubert hat. Wir haben das Haus im Herbst übernommen und jetzt, im Frühling können wir immer noch die Hand der Vorgärtner bewundern. Es fing an mit Krokussen und Schneeglöckchen, die sich durch den Garten verbreitet hatten. Begleitet werden sie von gelben (und zwei einzelnen violetten) Schlüsselblumen, die sich offenbar sehr wohl fühlen. Jetzt, Ende April, stehen die Tulpen in Blüte und die Paeonien recken schon geballte Knospenfäuste in die Luft.

Im letzten Herbst stand der ganze Garten brusthoch voller trockener Halme. Wir haben die ersten warmen Tage im März genutzt, um die kalifornische Goldrute zu roden. Über vier Schubkarren Wurzelrhizome wurden ausgegraben und entsorgt und es kommen immer noch neue Triebe nach.

Douglasien auf dem Momering

Der Garten besteht aus einem schmalen Schlauch und einem rechteckigeren Stück auf dem Felsrücken. Während im schmalen Teil am Haus immer ein Gemüsegarten war, wurde der obere Teil vor etwa 30 Jahren mit Douglasien bepflanzt. Diese sind jetzt etwa 15 bis 18 Meter hoch und haben nur wenig an Bodenbewuchs zugelassen. Zwei Eichensämlinge von etwa 5 Metern Höhe stehen dazwischen, die hoffentlich erhalten werden können. Die Douglasien müssen unserer Gärtnermotivation weichen und werden im Herbst gerodet. Von hier oben aus hat man auch einen wunderbaren Ausblick auf den Rhein, die Liebfrauenkirche und die Schönburg. Ich kann es kaum erwarten, hier eine Humusschicht aufzubauen.

Klima

Das Mittelrheintal ist eine von dreizehn Weinlagen in Deutschland. Auch wenn die Winter kalt werden können – der Rhein als Wärmespeicher schafft ein geschütztes Klima, das immer ein paar Grad wärmer ist als die Höhenlagen. Die Ansicht unten zeigt deutlich die Temperaturgrenze an einem kalten Januarmorgen. Die Sträucher sind gereift, allerdings nur ab einer Höhe von ca. 40 Metern. Darunter war es wärmer.

Die Bäume und Sträucher sind erst ab ca. 40 Meter über dem Rhein gereift.

fangen wir an!

In loser Reihe werde ich hier über den Fortgang im Garten am Momering schreiben.