Ich weiß nicht, welche Triebfeder für den Menschen die stärkere ist: Die Faulheit oder die Neugier. Wenn ich zugeschotterte Vorgärten sehe, in denen ein einsamer japanischer Fächerahorn vor sich hin wirkt,  dann würde ich auf die Faulheit tippen. Wem das Wort Faulheit zu schroff ist, der sagt halt pflegeleicht und macht sich einen Garten, der einen für zehn Jahre in Ruhe lässt. Die Natur lässt einen dann auch in Ruhe, denn hier gibts nichts zu gucken, nichts zu futtern und nichts zu verteilen. Also gibts auch keine Insekten und keine Vögel. Dass ein pflegeleichter Garten aber auch ein voller Garten mit Pflanzen sein kann, das testet der Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof in Weinheim ziemlich eindrucksvoll.

Auf 2,2 Hektar gruppieren sich viele Lebensbereiche um ein klassizistisches Herrenhaus, in denen wissenschaftlich an guten Pflanzenkombinationen geforscht wird. Rund 2500 verschiedene Pflanzenarten sind hier versammelt und das beste ist: Der Garten ist öffentlich und kostenfrei zugänglich. Und das wird reichlich genutzt, der Garten ist gut besucht an diesem heißen Tag. In fast jeder schattigen Ecke liegt jemand und forscht intensiv an der bequemsten Position zum Lesen.

Der Garten liegt mitten in Weinheim und springt recht überraschend ins Blickfeld, während man noch durch ein Wohnviertel stromert, bei dem Immobilienmakler ungeahnte Grade an Freundlichkeit entwickeln können. Hinter einem Mahnmal für die Verfolgten und Vertriebenen sowie einem Tennisplatz versteckt sich der Eingang zum Garten. Zur Begrüßung wurde eine Horde Paeonien losgelassen, die im lichten Schatten eine Laolawelle der Blühzeiten veranstalten. Die ersten Sorten sind längst durch mit der Blüte, während andere Sorten gerade erst mit den Knospen schunkeln. Der Garten ist eine Augenweide und toll gepflegt.

Ein Gärtner gießt nur punktuell die neu gepflanzten Stauden, sonst müssen sich alle Pflanzen mit dem zurecht finden, was da ist. Das härtet ab und stärkt für die nächste Trockenperiode. Das Zentrum des Gartens ist eine große Rasenfläche, die sich um das Herrenhaus schmiegt. Direkt am Haus steht ein Mammutbaum, der alles überrragt mit seinem ebenmäßigen Wuchs.

Hier ist die Neugier zu hause, denn immer wieder neue Pflanzenkombinationen werden hier ins Rennen geschickt. Wer sich bewährt, darf bleiben, wer nicht, der muss weichen. Wer seinen Vorgarten vom Schotter befreien will und ausdauernde, starke und pflegeleichte Pflanzen sucht, der kann sich hier mit Möglichkeiten geradezu vollsaugen. Eine wunderbare Anlage, die einen Besuch wert ist.

http://www.sichtungsgarten-hermannshof.de

Pflanzung für trockene, vollsonnige Bereiche mit schönen Kontrasten

Natürlich darf da die Wolfsmilch nicht fehlen.

Und Iris nimmt noch schnell die Frühlingsfeuchtigkeit mit und zeigt, was sie kann.

Farne sind härter im Nehmen als man denkt.

Einmal nicht hingeschaut ist aus dem kleinen Sämling ein jugendlicher Mammutbaum geworden…

Blick von der Wiese in die Beete. Stauden und Staunen.

Eine tolle Alternative zur rundblättrigen Haselwurz und sehr wüchsig: Die geschwänzte Haselwurz, sieht fast aus wie Efeu.

Ein Fanfarenstoß der Hosta.