Ein kurzer Gartenblick an Silvester 2019. Die letzten Wochen waren sehr regenreich, was den Winzern eine feuchte Lese beschert hat, aber dem Boden sichtlich gut tut. Die Pilze können endlich das zersetzen, was den ganzen Sommer über als trockenes Gestrüpp herum lag. Überall keimt es in knalligem Grün über dunklem Boden. Alle Sträucher haben kräftige Knospen angesetzt und warten auf den März. Das neue Jahrzehnt kann kommen!

Der Sommer 2019 war heiß, aber nicht ganz so gnadenlos wie der Sommer davor. Die frisch gesetzten wurzelnackten Rosen mussten zwei Sommer kämpfen, um irgendwie Fuß zu fassen. Daher freut es mich sehr, jetzt frische Triebe zu sehen. Sie hat offenbar tiefere Schichten erreicht und kann im nächsten Sommer starten. Vielleicht hat auch der Kaffeeprütt geholfen.

Ein Spierstrauch stand einigermaßen grün bis in den heißen August, bis an einem Sonntagnachmittag ein Wind mit über 39 Grad wie ein Todesatem durch die Hänge ging. Am nächsten Tag ließen viele Pflanzen ihre braunen Blätter fallen, so auch der Spierstrauch. Vier Wochen später hat er sich an neue Blätter getraut. Die Pflanzen überleben so eine Hitzewelle, verlieren aber einen Teil der Saison zum Wachstum. Das macht sich sicher im nächsten Jahr in weniger Blüten und schwächeren Trieben bemerkbar.

Die Rockii-Pfingstrose testet das milde Winterwetter und vertraut offenbar darauf, sehr frostfest zu sein.

Leider nicht besser fotografiert, aber Gaura lindhermi holt noch ein paar Blütenversuche nach. Auch ihr merkt man das zweite Standjahr deutlich an. Sie ist etablierter und hat wochenlang in praller Sonne ausgehalten. Mit etwas Glück versamt sie sich.

Ein Blick auf das Testbeet nach zwei trockenen Sommern. Auf den ersten Blick ein trostloses Stück Erde. Aber voll mit Pflanzen. Die Gräser sind mittlerweile alle etabliert und haben geblüht. Das Bergbohnenkraut (unten links) greift schön um sich, ich habe viele Stecklinge verteilt. Eine gute Bienenweide. Die Fackellilien holen jetzt nach, was sie im August nicht machen konnten und schieben Laub wie im Frühling.

Kaum jemand geht dramatischer in den Winter als Mahonien. Erst werden sie bräunlich, nehmen sich zurück. Und dann legen sie sich ein Knallrot an, das weit leuchtet.

Mein persönlicher Favorit ist der gefleckte Aronstab (Arum italicum sspc. pictum). In diesem Jahr ist er später als erwartet, dafür hat er etwas an Volumen zugelegt und sich versamt. Nach einer Frostnacht steht er immer etwas mitgenommen da, so wie fritiert und dann erfroren. Meist reichen zwei Stunden über Null Grad und der Aronstab sieht aus als wäre nichts gewesen.

Das Efeublättrige Alpenveilchen (Cyclamen hederifolium) habe ich im letzten Winter aus Samen gezogen. In diesem Winter hat es schon zwei Blätter und lässt eine kleine Knolle erkennen. Der Platz unter der Magnolie scheint ihr zu bekommen. Im Winter hell und feucht, im Sommer schattig und trocken. Man muss sich nur im Sommer merken können, wo sie sitzen.

Auf dem Nachbargrundstück steht eine Fichte, die halb am Trockenstress gestorben ist. Sie wirft mit Zapfen wie aus Tuschezeichnungen um sich.

Diese Eselsdistel kam als Geschenk in einem kleinen Topf, sie war nicht größer als ein Handteller. Jetzt schmückt sie sich mit feiner Wolle und hat ein Jahr Kraft gesammelt. Im nächsten Jahr wird sie vermutlich einen Blütenstand schieben, neben dem ich klein wirke. Sie wird mit violetten Blüten einen Boxenstop für Schmetterlinge hergeben und danach hoffentlich jede Menge ihrer Samen im Garten verteilen. Oder Distelfinken anlocken. Oder beides.

Als Jugendlicher dachte immer, dass der Winter ein halbes Jahr dauert. Seit ich eigene Gärten habe, weiß ich, dass es nur bei strengem Frost echte Pausen gibt. Winter heißt nicht Pause, sondern nur gedrosseltes Tempo und sicher gegen Schneebruch zu bleiben. Schon jetzt sind die Traubenhyazinthen mit dem Laub da, die Herbstkrokusse wachsen, ebenso wie einige Allium. Schon in vier bis fünf Wochen kommen die Schneeglöckchen und läuten das Ende der Langsamfahrt ein. Allen einen guten Rutsch und ein tolles neues Gartenjahrzehnt!